Am Mittelmeer mit dem Rad von Arles bis Argeles sur Mer

T1 – Arles nach Le Grau du Roi
Nun sind wir erneut unterwegs! Zwei glückliche Wahl-Südfranzosen aus Carry-le-Rouet, bereit für ein neues Rad-Abenteuer entlang der Méditerranée. In der Zwischenzeit haben wir einiges zu berichten:-
- Wir haben in unserer neuen Region Fuß gefasst.
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- Wir haben tolle neue Bekanntschaften gemacht, darunter eine fantastische Gourmet-Katze.
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- Wir haben zwei Saisons der Oursinades erlebt (Carry lebt von ihrem Ruf für Seeigel, auch wenn diese mittlerweile aus Galicien importiert werden, um die Meeresflora zu schonen).
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- 2023 habe ich einen Conciergerie-Service an der Côte Bleue aufgebaut und genauso schnell wieder geschlossen. Conciergerie klingt zwar nobel, war aber in der Realität eine logistische Vollkatastrophe mit den Putzkräften. Am Ende mussten wir ständig selbst einspringen, Betten beziehen, schrubben, saugen, wischen, 7 Tage die Woche und uns dann noch blöde Sprüche von beiden Seiten anhören. Das ist definitiv nicht meine Tasse Tee – also mein Ding auf Gutdeutsch – und schon gar nicht mein Glas Pastis. Dafür sind wir definitiv nicht in den Süden gezogen! Ich habe letzten Sommer mehr Wäsche gewaschen als zu meiner Zeit als junge Mama (und – pssst – das ist lange her). Bevor ich also endgültig zu Cruella mutiere, habe ich lieber „Stopp“ gesagt.
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- Ich habe über meine beruflichen und künstlerischen Wünsche meditiert und eine Nacht allein im Wald geschlafen.
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- Ich habe die Bekanntschaft mit Feldmäusen in einer Hütte im Vercors gemacht.
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- Ich habe ein Poesiebuch veröffentlicht – eine Sammlung von Gedichten, die sich mit den vielschichtigen und komplexen Thema Krebs auseinandersetzen.
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- Und ich schreibe an einem Roman… wesentlich fröhlicher und… leckerer.






T2 – Le Grau du Roi – Sète – Die „Heidelbeer-Motte“
Zweite Etappe unserer Reise, Abfahrt in Le Grau du Roi. Heute Abend brennen meine Augen leicht, wahrscheinlich wegen des visuellen Angriffs von La Grande Motte. Das Sahnehäubchen: ein riesiges Gebäude in der Farbe von Heidelbeerquark. Zum Glück beruhigen die Strände die Seele angesichts dieser Betonbauten aus einer Zeit, als Beton noch König war. Wir haben sogar versucht, auf dem Sand zu fahren! Wir überholen viele Spaziergänger, einer davon mit einem Metalldetektor. Etwas Beleidigendes: Die Furche, die mein Rad im Sand hinterlässt, ist viel tiefer. Vielleicht eine Unterhose zu viel in den Taschen oder die zwei Kilo Camargue-Reis von gestern. Zum Thema Radwegqualität: Das Departement Hérault scheint über ein größeres Budget zu verfügen. Ein paar kleine Hürden und Löcher, aber nichts Katastrophales. Auf jeden Fall fühlen wir uns verkehrstechnisch sicher. Was bei der Ausfahrt aus Arles nicht der Fall war. Seit 2020 sitzt bei mir ein kleines Südtrauma – Thema: zweispurige Bundesstraße zwischen Salin-de-Giraud und Marseille. Die Geografie des Hérault reiht ihre Küstenorte aneinander: Palavas, Carnon und solche, deren Namen ich vergessen habe. Dann endlich – nach einer letzten Teich-Umrundung – Villeneuve-lès-Maguelone. Ich bereue es, das Rad nicht bis zur Kathedrale auf der Halbinsel geschoben zu haben. Das holen wir nach. Ein glücklicher Zufall führt uns auf eine unbekannte Weinstraße. Auch mein geliebtes Frankreich und seine zahlreichen Weinstraßen. Uralte Reben neben jungen Trieben. Carignan oder Grenache? Ich tippe auf Ersteres. In Frontignan probieren wir den Muskateller – trocken für Monsieur, süß für mich. Ohne Eiswürfel, schließlich ist Februar. Was soll man über diese Stadt sagen? Vielleicht waren wir im falschen Viertel. Ein paar beschäftigungslose Jugendliche, ein Camp von „Gens du voyage“, den ewigen Reisenden. Kurz gesagt: Frontignan ist ein Glas des gleichnamigen Süßweines wert, aber mehr nicht. Endlich erreichen wir Sète, die Stadt von Brassens, wo ich in meinem früheren Leben so oft Urlaub gemacht habe. Die Überraschung ist groß: Die hübsche Stadt mit ihrem Venedig-Flair hat sich gemausert. Galerien und Museen verleihen ihr eine neue Vitalität, wie ein Frühlingshauch auf unserer Reise. Morgen erwartet uns eine Etappe von fast 90 km bis hinter Béziers (gegenüber 66 heute). Wir hoffen, dass der Akku hält. 25 kg Fahrrad + 9 kg Gepäck + mein Gewicht… das ist eine Herausforderung. Und für die bösen Zungen: Auch mit einem E-Bike muss man in die Pedale treten! Vor allem, wenn man die Unterstützung auf Minimum lässt.





T3 – Von Sète nach Le Somail (Canal du Midi)
Hier unser Bericht von Tag 3 Von Sète bis Le Somail, ein 100-km-Kraftakt. Agde und Vias, eher düstere Gesellen Seelenlose Straßen, weit weg von den Wellen Wir kämpfen uns durch, als Pedalakrobaten Er fährt auf „Eco“, sie kann es kaum erwarten Wasser war heute das große Symbol Kanäle und Meer, neun Schleusen in Béziers Auf Schotter und Erde, in Schweiß und in Not Wir kämpfen uns durch auf holprigem Brot Dann Mariance am Canal du Midi Ein Hausboot als Herberge, das kannten wir nie Gastfreundschaft pur, alles liebevoll hergerichtet Ein hausgemachter Rum hat die Müdigkeit vernichtet.







T4 – Le Somail nach Le Barcarès: Die Durchquerung der Hölle
Wie Winston Churchill sagte: „If you’re going through hell, keep going.“ Was auf der Karte wie ein Spaziergang aussah, wurde zum Warrior-Szenario mit einem hartnäckigen und launischen Tramontane-Wind. 90 km… die sich anfühlen wie 200. Nach einer magischen Nacht auf dem Hausboot von Mariance im Örtchen Le Somail – in der Hochzeitssuite, jawohl! – haben wir Kurs aufgenommen… in die falsche Richtung. Ergebnis: 6 km Umweg gleich zu Beginn. Zu unserer Verteidigung: Die Beschilderung im Departement Aude ist suboptimal. Das elfte Departement Aude hat hier noch viel vom vierunddreißigsten, dem Hérault, zu lernen. Nach einigem Hin und Her nahmen wir die Landstraße nach Narbonne. Ich erspare euch die „Diskussionen“ zwischen Monsieur und Madame über den richtigen Weg. Gegen 13 Uhr Ankunft in der historischen Stadt Narbonne vor dem Erzbischofspalast. Eine Pracht! Dort gab es unser traditionelles Diabolo Menthe (eine französische Zitronenlimonade mit Minzsirup) – unsere tägliche Belohnung auf Radreisen. Hier noch ein kurzer Limonaden-Exkurs: Vergesst die deutsche nach Chemie schmeckende Zitronenlimonade. Eine „limonade artisanale“ ist „incomparable“, unvergleichlich. Fragt beim Bestellen, ob eine solche zur Verfügung steht, und lasst euch bloß kein vom großen Cola-Imperium stammendes Zitronengeschmack-ähnliches Zeug andrehen. Zurück zum Tagesbericht: Zuckerbetankt ging es auf den Treppelweg am Canal de la Robine. An diesem Punkt hatte mir der „Wind, der verrückt macht“ bereits die Gehirnzellen weggefegt! Der Name Robine kommt vom okzitanischen „Roubine“ und bedeutet Kanal… also der Kanal-Kanal. Nun ja. Und der angebliche Radweg ist eher ein Pfad für Mountainbikes oder Wanderer. Dennoch ein Genuss für die Augen: Natur pur, eine Landzunge umgeben von Teichen, eine Robine mit Opal-Reflexen… Wir ignorieren die aggressiven Windböen und die parallel verlaufende Bahnstrecke. Um 16 Uhr erreichen wir Port-la-Nouvelle und freuen uns auf den Kalorienüberfluss im Supermarkt, Schokolade und die Nudeln für den Abend. Bis dahin sahen wir einem krönenden Abschluss entgegen und waren überzeugt, das Schlimmste sei geschafft… Weit gefehlt! Kein Schild weit und breit, also befragen wir Google. Auch aus den Angaben von France Vélo Tourisme zur Etappe werden wir nicht schlau. Die Strecke entpuppt sich als grauenhaft. Ich weiß nicht, wie oft ich abgestiegen bin, um mein Rad-Ferrari zu schieben. Stellt euch die Enttäuschung vor! Mein Lieblingshengst, herabgestuft zum Tretroller. Zurück zum beschissenen Weg… nach mindestens 10 km kein Weg mehr, nur noch ein vages Teichufer – und wie dem auch sei, der Weg ist überflutet. So kämpfen wir uns durch Sand und Schilf. Und plötzlich: eine Straße! Die Freude hält nur ein paar Sekunden an. Pschhhhhh… Monsieur hat einen Platten. Wir suchen Zuflucht hinter einem verlassenen Restaurant im Ort Le Franchi. Der Tramontane weht wie verrückt. Neuer Startversuch, es ist bereits kurz nach 17 Uhr. Die letzten 18 km erspare ich euch. Wir sind am Limit, treten gegen den Seitenwind. Die Sonne geht unter, der Himmel leuchtet in meiner Lieblingsfarbe: Fuchsia. Um 19 Uhr finden wir unser Quartier in Le Barcarès. Nur noch eine Etage die Treppe hoch mit unseren Packeseln – sonst wäre es ja nicht lustig. Morgen die letzte Etappe Richtung Argelès-sur-Mer. Die Gottheit Äolus wird uns zweifellos wieder necken.









T5 – Le Barcarès nach Argelès-sur-Mer
Nun sind wir am Ziel angekommen. Fast 400 km in 5 Tagen – trotz aller Widrigkeiten, die solche Reisen mit sich bringen. Eine sportliche Betätigung nach den Wintermonaten bringt immer ein Maß an Herausforderungen mit sich – auch wenn der Winter hier recht mild bleibt. Herausforderungen zu meistern ist und bleibt großartig. Wie bei anderen Radreisen schwingt hier auch ein Hauch Nostalgie mit 😪. Mittlerweile sind uns 10 Stunden Radfahren lieber als die für morgen angekündigten 5 Stunden Zugfahrt. Aber lasst mich euch von der letzten Etappe berichten! Der Vormittag begrüßt uns mit einem Farbspektakel. Bei uns in Carry müssen wir erst auf den Küstenpfad laufen, um den Sonnenaufgang zu sehen – hier durften wir ihn vom Bett aus genießen. Der Wind stört uns viel weniger. Im Gegenteil: Teilweise fahren die Räder fast von allein. Wir hätten „Bikesurfing“ erfinden können. Die Pyrenäen zeichnen sich am Horizont ab. Der schneebedeckte Gipfel des Canigou, der heilige katalanische Berg, erinnert uns daran, dass es noch Februar ist. Aber hier im Roussillon sind wir ordentlich braun geworden… ganz ohne Skifahren. Diesmal ist der Radweg eine echte Werbung für die Fahrradroute Eurovélo 8: perfekt ausgeschildert, glatter Asphalt zu 99 %. Bravo an das Departement Pyrénées-Orientales! In Canet entdecken wir ein restauriertes Fischerdorf. Die Hütten aus Holz und Schilf werden noch heute von einer Handvoll Fischern genutzt. Sie fischen Wolfsbarsch und kämpfen intensiv gegen die invasiven Blaukrabben. Wir sehen keine Krabben, dafür aber smaragdgrünes Meer und ockerfarbene Sandstrände. Die „Côte Vermeille“ macht ihrem Namen alle Ehre. Nun sind wir also in Argelès-sur-Mer, unserem Ziel. Die spanische Küste würde uns reizen, aber das ist ein anderes Projekt. Die gute Nachricht: Im März geht es weiter auf der französischen EV8 von Meyrargues nach Menton. Bis bald!





Entdecke die zweite Etappe unserer Fahrradreise entlang des Mittelmeers zwischen Sanary und Menton, einen Monat später.
Ich habe den Canal du Midi zu Fuß einige Monate später zwischen Béziers und Carcassonne erkundet.








