Warum eigentlich „Kilomètres et Papilles“?

Ich bin nicht die Frau, die ständig unterwegs sein muss. Warum sollte ich auch? Mit dem Meer direkt vor der Haustür lässt es sich in Südfrankreich wunderbar aushalten. Aber da ist dieses unstillbare Kribbeln. Die Sehnsucht nach kleinen Dörfern, dem Unbekannten und der Drang, über sich hinauszuwachsen. Es ist genau diese Neugier, die mich immer wieder antreibt und auf neue Pfade entführt.
Hier findest Du die Berichte meiner Touren – alte und neue, manchmal nur für zwei, drei Tage oder lange Reisen. Zu Fuß oder mit E-Bike. Mal ziehe ich allein los, mal zu zweit, mal mit Freunden – ja, ich habe es tatsächlich geschafft, ein paar Nachahmer zu finden!
Schreiben liegt mir im Blut, es ist mein roter Faden durchs Leben. Diese Leidenschaft für Sprachen im allgemein wurzelt vermutlich in meiner deutsch-französischen Doppelidentität. Oft merke ich, dass ein Begriff hüben wie drüben eine völlig andere Wirkung entfaltet oder ein anderes Bild im Kopf entstehen lässt. Von den Redewendungen und der inneren Prägung ganz zu schweigen.
Wie dem auch sei: Wenn ich unterwegs auf Reisen bin, schreibe ich jeden Tag einen Bericht, allerdings erstmal auf Französisch – egal wie anstrengend der Tag war, wie müde ich bin oder wie spät es ist. Ich will Dir meine Emotionen und mein Erlebtes so authentisch wie möglich rüberbringen. Manchmal geht es dabei drunter und drüber. Mal wird es poetisch, mal gleicht es einem kleinen Delirium oder einem Höhenflug in ungeahnte Sphären meines Gehirns. Manchmal rege ich mich über technische Tücken auf und kann dann noch mehr schnaufen als an einem steilen Hang. Fotos werden dabei leider fast zweitrangig; jedes Mal sage ich mir, ich müsste mir mehr Mühe geben, lernen was meine Handykamera hergibt… aber das Wort drängt und will einfach als Erstes raus.
Mein Verhältnis zum Radfahren und Wandern ist kein Zufall. Ich wuchs in recht abgelegenen Winkeln Deutschlands auf. Stell Dir ein Dorf vor, fernab von allem, im westdeutschen Oberharz (damals gab’s noch die Grenze) und dann zwei Kilometer weiter, direkt an einem Waldrand.
Und dann noch französisches Homeschooling. In Deutschland! Ganze zwölf Schuljahre lang. Meine einzige Outdoor-Hobbys waren Waldspaziergänge oder mit Fahrrad in den Ort.
Dann mit frischgebackenen achtzehn, die 180-Grad-Wende: Paris, vor fast 38 Jahren. Sich dort mit dem Fahrrad von A nach B zu begeben, grenzte damals an reinen Leichtsinn.
Ich erspare Dir den Rest meiner Biografie. Nach einigen Umzügen und drei Kindern musste ich auf einmal viel Auto fahren. Quasi 180 km täglich. Von Staus und Autobahnen bin ich für den Rest meines Lebens bedient.

2013 – Hurra! – nur noch 18 km bis zur Arbeit. Ich wohnte damals in Straßburg, wo das Fahrrad zur Lebensphilosophie gehört. Die Entscheidung lag auf der Hand: Den Weg zur Arbeit würde ich mit dem Rad zurücklegen. Mit einem E-Bike. Meinem knallroten „Liebling“.
Und wie bei jedem Vorsatz wurde aus „sehr oft“ dann „oft“. Sagen wir so: Ich bin zur Arbeit geradelt, wenn es nicht geregnet hat. Und niemals im Winter: Ich hasse Kälte, Schnee und Frost.
Dann 2020. Der Lockdown, die Nase gestrichen voll. Zu meinem 50. Geburtstag habe ich mir eine Solo-Tour von Straßburg nach Marseille geschenkt (auf meiner „Zweirad-Ferrari“). 14 Tage Freiheit, Begegnungen, und zum Teil etwas Improvisation. Den Bericht dazu findest Du hier.
Start am 1. Juli in Straßburg vor dem Haus, wo die Marseillaise komponiert wurde. Ankunft am 14. Juli am alten Hafen von Marseille. Ich schrieb jeden Abend. Das war der Anfang von Vélo et Papilles, meinem ersten Blog. Diese zwei Wochen waren ein Wendepunkt. Und ein mentaler Ancker für die nachfolgenden Monaten. Wie Chirac unverblümt sagte, die Sch.. fliegt im Geschwader.
2022 hissten wir dann definitiv die Segel Richtung Sonne an die Côte Bleue, weg von der Kälte. Um diesen Umzug vom Elsass in den Süden besonders zu geniessen, habe ich die Strecke Straßburg–Marseille erneut mit dem Rad zurückgelegt. Diesmal zu zweit! Fazit: Mein Mann wurde ebenfalls vom Reisefieber gepackt… zudem kann ich sehr überzeugend sein, wenn es darum geht, auszubrechen.
Seitdem fahre ich oft unter der Sonne der Côte Bleue. Weniger gelassen allerdings, wenn rücksichtslose Autofahrer zu nah überholen. Nur nicht in Marseille, dort ist es heute für Radfahrer ein ähnlicher Überlebenskampf wie in Paris vor vierzig Jahren.
Die Kilometer haben sich summiert. Von der Sonne des Mittelmeers bis zu den Schlössern der Loire – die Leidenschaft ist nur gewachsen.
Um die Véloscénie Richtung Mont Saint-Michel in Angriff zu nehmen, durfte mein treuer „Ferrari“ nach zwölf Jahren in Rente gehen. Naja, nicht ganz. Mittlerweile ist Ferrari jetzt in Toulouse, bei einer meiner Töchter.
Jetzt setze ich das Abenteuer mit Cubiton fort, meinem Cube E-Bike.
Unsere Touren dauern meist nicht länger als eine Woche. Im Durchschnitt strampeln wir 80 Kilometer am Tag.
Das ist die gesunde Mischung aus Vernunft, Geldbeutel, Vergnügen (und einem Garten, der gegossen werden will).
Aber wer weiß, wenn ich mal im Lotto gewinne, ändert sich das vielleicht.
Es ist ganz einfach: Mein sportlicher Kick ist das E-Bike. Sag nicht, das ist was für Schlappschwänze! Man tritt ordentlich in die Pedale und nicht ständig im Turbo-Modus! Eher Tour oder Eco, damit der Akku bei langen Strecken durchhält.
Auf jeden Fall sind wir abends ordentlich gerädert und haben uns ein französisches Festmahl redlich verdient.

Und ausser Radfahren?
Wandern an abgelegene, noch vom Tourismus geschützte Orte liegt mir auch sehr am Herzen (im Schnitt 20 bis 30 Kilometer täglich) – auch wenn ich bei den Aufstiegen ächze und in steilen Geröllfeldern fast einen Nervenzusammenbruch kriege. Aber ich habe nie Angst vor Begegnungen, auch nicht von einem Wildschein, dem ein Wolf hinterher jagt (die reine Wahrheit!).
Was die Unterkunft angeht, bevorzuge ich Gästezimmer oder Hotels. Eine gute Matraze, ein herrliches Kopfskissen und vor allem Strom! So nützlich, um die Berichte online zu stellen.
Dennoch probiere ich gerne Neues aus. Ich habe Campen versucht – und werde es wieder tun. Es ist günstig und gibt ein Wahnsinns-Freiheitsgefühl… außer wenn ich mein Zelt auf einem Fußballplatz in der Lozère bei null Grad aufschlage und der Reisveschluss vom Schlafsack schlapp macht. Oder wenn ich mich auch mal im kalten Bach waschen muss – und just, zu diesem Zeitpunkt ein Jogger vorbeihuscht. Rückblickend gehört das alles zum Lernprozess.

Ich bin kein Survival-Profi und sicher keine Hochleistungstexterin im Gebirge. Reifenwechsel bei 70 km/h im Gegenwind? Nicht mit mir. Ich bin keine Mike Horn – ich bin Maya. Meine Stärke ist es, Lösungen zu finden, die zu mir passen.
Eine dieser Lösungen ist mein Wanderanhänger, der Tactical 13. Ultraleicht (unter 2 kg), mit Titanrädern und einer einfachen Befestigung am Gürtel. Das Ergebnis: Die Last ist vom Rücken weg. So wird das Wandern mit Zelt und Schlafsack zum Vergnügen, und es bleibt sogar Platz für regionale Leckereien.
Wenn ich ohne Anhänger unterwegs bin, lautet mein Motto: Minimalismus. Ein leichter Rucksack, funktionale Merino-Wolle und ein Wasserfilter – mehr braucht es nicht. Denn je leichter das Gepäck, desto freier ist der Kopf für all die Schönheit am Wegesrand.
Ein anderer Kick: die Gaumenfreude (les papilles)
Den Grundstein für meine Liebe zum Essen legte der Mann meiner französischen Großmutter, ein Gourmet durch und durch. Er öffnete mir die Türen zur Welt der Kulinarik. Frankreich macht es einem aber auch leicht: Die Vielfalt an Produkten und die Hingabe der Produzenten sind einfach einzigartig. Vive la France!
Ob nach einer Wanderung oder einer Radtour – das Entdecken einer authentischen Adresse ist für mich die schönste Belohnung. Auf meinem Blog ist die Qualität des Tellers genauso wichtig wie die Anzahl der Kilometer. Ich liebe es zu probieren und zu experimentieren – auf Reisen sowie zu Hause in meiner Küche.
Momentan experimentiere ich mit Gärungsprozessen: eigenes Bier, Sauerkraut, Sauerteig (levain). Ein anderer Blickwinkel derselben Neugier.
Schön, dass du bis hierher mitgelesen hast – ein großes Dankeschön dafür! Ich hoffe, du hast nun ein besseres Bild davon, wer ich bin und was mich antreibt. Mein Ziel ist es nicht, dir etwas zu verkaufen. Ich möchte dich einfach nur dazu inspirieren, selbst loszuziehen. Man muss nicht immer in die Ferne schweifen; oft reicht es schon, die eigene Umgebung mit neuen Augen zu entdecken. Glaub mir: Es ist viel einfacher, als man denkt – auch als Frau und ganz ohne Profisportlerin zu sein. Es geht darum, das Vertrauen in sich selbst (wieder) zu finden. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer.
Frankreich ist voller Fern-Wanderwege (GR) und Radwege, die es wert sind, erkundet zu werden.
Man sagt oft, die Welt sei schlecht; auch wenn es ziemliche Idioten gibt, ist die große Mehrheit der Menschen wunderbar, großzügig und hilfsbereit.
Ich wünsche dir viele wunderbare Kilometer – und noch mehr genussvolle Momente.
Kilomètres & Papilles. Erkunden. Erleben. Erzählen.
